Anno 1958... (Signale 1972-6)

Wartburg S (Wartburg 313)

WARTBURG S

Nachdem im Spätherbst 1955 Nullserienfahrzeuge des seinerzeit neuentwickelten Baumusters 311 ihre erste automobilsportliche Bewährungsprobe glänzend bestanden, debütierte dieser Eisenacher Automobiltyp auf der folgenden Leipziger Frühjahrsmesse. Bereits ein Jahr später, 1957, erschien in der Kollektion das Modell „Wartburg S".

Dabei handelte es sich um einen Wagen für den normalen Straßenverkehr, jedoch mit ausgesprochen sportlichem Flair.

Diese besondere Note wurde eigens von der Karosserie her betont, ohne die damals typische „Wartburg"-Form preiszugeben. Der zweisitzige Wagen mit seiner recht langen Motorhaube hatte ein abnehmbares Dach und konnte daher als offener Roadster oder geschlossenes Coupé gefahren werden. Hinter dem Lenkrad mit abgesetztem Durchmesser, das ebenso wie ein verändertes Kühlergitter später auch für alle anderen Modelle übernommen wurde, saß man auf Ledersitzen mit Rückenlehnenverstellung.

Grundlage für diesen Aufbau war das normale 311er Fahrwerk mit Kastenprofilrahmen, Querblattfederung und starrer Hinterachse.

Das Fronttriebwerk hatte einiges mehr an Leistung zu bieten. Gegenüber der mit 37 PS dotierten Normalausführung leistete der 900- cm3-Dreizylindermotor durch ca. 6° KW längere Einlaßöffnungszeiten sowie Ausrüstung mit zwei Vergasern 50 PS bei 4200 bis 4500 U/min. Die Betriebsanleitung schrieb eine Ölbeimischung zu 80-OZ-Kraftstoff im Ver­hältnis 1:25 vor, und zur besseren Wärmeabfuhr hatte der Motor, statt normaler Umlaufkühlung, Pumpenumlaufkühlung. Im Getriebe waren 3. und 4. Gang länger übersetzt. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 140 km/h, aber auch der Kraftstoffverbrauch des 50 kg schwereren Wagens lag mit 10,5 1/100 km deutlich höher.

Nach dem sportlichen „Wartburg S" dreht man sich selbst heute noch um, wenn man ihn hier und da vereinzelt antrifft — ein alltägliches Auto war er nie.


Bild oben: Selbstverständlich entstand der „Wartburg S" nicht als „Pistenbrenner". Dennoch machte der sportlich zugeschnittene Wagen auch bei Rennen keine schlechte Figur.